Ein Cocktail-Arcade-Automat (Teil 1)

Nachdem ich in den vergangenen Jahren bereits zwei Videospiel-Automaten restauriert hatte (veröffentliche ich demnächst mal hier), habe ich endlich einen (eigentlich sogar zwei, dazu später mehr) gefunden. Ziemlich runter gekommen, aber dafür ein originaler “Midway” 2-Spieler Automat, den es aufzuarbeiten lohnt. Trotzdem gibt es viel zu tun, hier mal die Bestandsaufnahme:

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  • Nachdem ich einfach den Stecker in die Steckdose gesteckt habe, passierte: nix. Die Sicherungen waren (sofern vorhanden) funktionsfähig, dennoch: nicht funktionsfähig -> also kein Quickfix, sondern strukturiert aufarbeiten:-(
  • Röhrenmonitor mit erheblichem Einbrennschaden -> eher nicht mehr nutzbar, Ersatz durch einen vorhandenen 20″ Röhrenmonitor mit VGA-Anschluß!
  • Stromversorgung für den Monitor mit mehreren (kaskadierten) Trafos: Von 230V auf 110V, dann von 110V auf was auch immer der Röhrenmonitor so braucht und von 110V dann auf +12V, -12V und +5V für die Spielplatine, Beleuchtung, Münztechnik und Audio-Verstärker. Dabei sind zwei der drei Trafos ziemlich rostig und aufgedunsen, damit möchte ich weder rumspielen noch auf Zeit einen Wohnungsbrand riskieren -> eher nicht mehr nutzbar, Ersatz durch ein generisches, gekapseltes Netzteil auf dem neuesten technischen Stand!
  • Die Verkabelung ist noch aus der Vor-JAMMA-Zeit, d.h eher proprietär -> ich werde den Kabelbaum in den JAMMA-Standard “überführen”
  • Sämtliche Metallteile (Coindoor, Lüftungsgitter, Monitorhalterung, etc. sind mittel- bis stark verrostet -> diese werde ich sandstrahlen (RZL sei Dank:-) und neu lackieren (spart gegenüber dem Neukauf nachgemachter Teile ~120 Euro)
  • Das Nussbaumdekor ist an einigen Stellen ziemlich abgegrabbelt -> das wird angeschliffen und mit einer originalgetreuen Vinyl-Folie beklebt
  • Die schwarze Farbe ist nicht mehr ansehnlich -> lackieren, das ist noch das geringste Problem:-)
  • Die Controls waren mit einer beschrifteten Vinylfolie beklebt, die sich aber zum Teil abgelöst hat -> ablösen und mit einem schwarzen Glattleder beziehen (habe ich vor Jahren schonmal bei einem Automaten gemacht, sieht edel aus und fühlt sich klasse an)
  • Die Joysticks werden geprüft, zerlegt, gereinigt, geschmiert und wiederverwendet, kein Problem (wieder 40 Euro gespart:-), allerdings müssen beide Startknöpfe ersetzt werden, ebenso soll der Automat möglichst 2-3 Actionknöpfe pro Spieler bekommen
  • Die Coindoor hat eine Halterung für einen 3,5″ Münzprüfer, d.h. wenn die restauriert ist, kann ein Euro-Prüfer eingebaut werden
  • Die verstellbaren Gehäusefüße fehlen, da habe ich vier Rollen aus dem Baumarkt montiert
  • Die gesamte T-Molding ist hin, d.h. ich muß 10′ 1″ T-Molding und 5′ 3/4″ T-Molding importieren (in deutsch 3m 2,54 cm T-Molding und 1,50 m 1,94 cm T-Molding) – gibt es nicht oder nur extrem teuer in Deutschland…
  • Die Glasscheibe fehlt, hier suche ich noch nach einem Glaser in der Gegend. Natürlich fehlen auch die Glashalterungen, die werden dann zusammen mit der T-Molding importiert:-)
  • Als Herz verwende ich diesmal keinen PC, sondern eine 60-in-1 JAMMA Spielesammlung, extra für Cocktail-Automaten, die bei 2-Playern automatisch das Bild dreht.

Hier noch ein paar Detailbilder:

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Der Status nach dem ersten Wochenende ist so:

  • Alle Metallteile abgebaut und vorbereitet zum Sandstrahlen
  • Monitor verschrottet
  • Gehäuse komplett geleert, alle Kabel entfernt
  • Joysticks geprüft, zerlegt, geschmiert und montiert – sind wieder einsatzbereit. Dabei habe ich die alten Lötnasen gereinigt, da die demnächst mit Steckern verbunden werden

Das sieht dann so aus:

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Jetzt sind erstmal ein paar Ersatzteile bestellt, diese Woche werden die Metallteile aufbereitet, am nächsten Wochenende geht es dann hoffentlich weiter.

Hier ein kleiner Eindruck von den Metallteilen nach dem Sandstrahlen:

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Die Coindoor ist komplett blank geworden. Ich denke nach dem Grundieren und Lackieren sieht die aus wie neu:-)DSC_2300

Die Lüftungsgitter waren etwas kniffeliger, aber auch die sind jetzt weitestgehend rostfrei. Noch etwas nacharbeiten, ausbeulen und lackieren…DSC_2301

Das hier ist die Halterung vom Münzprüfer. Alle matten Stellen waren stark verrostet. Etwas Klarlack drauf und gut ist – sieht keiner und soll nur rostgeschützt sein.

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Hier ein direkter Vergleich zwischen einem unbehandelten und einem gesandstrahlten Controlpad. Die dunklen Stellen unten stammen vom Kleber. Da ich die Pads sowieso mit Leder beziehen will, reicht das an Vorarbeit völlig aus. Ein Beispiel für die künftige Oberfläche habe ich mal lose draufgelegt. Das Leder ist stark gemasert und fühlt sich klasse an.

Die Ersatzteile sind inzwischen bestellt, eine Lieferung aus Manchester, eine aus Deutschland, mal sehen, welche eher da ist:-)

So, die Ersatzteile sind da, Manchester war deutlich schneller als Deutschland, hier ein paar Problemlösungen:

Die neuen Drei-Button Knöpfe haben eine deutlich größere Einbautiefe als die Einzelbuttons, d.h. unter den Controlpads muß mehr Platz geschaffen werden:DSC_2309 DSC_2310 DSC_2312 DSC_2313

Nach massivem Einsatz von Lochsäge, Stechbeitel und Hammer reicht der Platz für den neuen Kombi-Button aus, damit hat jeder Player drei Action-Buttons statt früher einem – das eröffnet neue Spielmöglichkeiten und macht ein Nachbohren von Löchern im Metall des Controlpads unnötig (o.k. die Optik der neuen Buttons ist gewöhnungsbedürftig…

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Im nächsten Arbeitsschritt kommt die neue Oberfläche auf die Controlpads. Hier habe ich mich für hochwertiges Rindsleder entschieden – lässt sich gut verarbeiten und fasst sich schön warm an und passt insgesamt zur Optik:

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So, jetzt wird es Zeit für den Kabelbaum. Ich habe mich gegen einen fertigen JAMMA-Kabelbaum entschieden, da ich aus dem alten Automaten ausreichend gut erhaltenes Kupferkabel habe und ich so einen passenden Kabelbaum customizen kann – viele Anschlüsse brauche ich nicht, ausserdem kann ich so die Kabel richtig ablängen und optimal verlegen. Den alten Kabelbaum habe ich aufgetrennt, die Kabel sind inzwischen nach Länge sortiert (sieht noch wüst aus):

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Morgen geht es mit dem Kabelbaum weiter…

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